Martin Zobel & Soulrise: Interview, Gratis-EP und Crowdfunding für das nächste Album

Reggae

martin_zobel_freeep2014Vor gut zehn Jahre begann die Karriere des bayerischen Sängers Martin Zobel. Inzwischen hat sich einiges getan und mit der Band ‚Soulrise‘ im Rücken ist ein musikalisches Projekt entstanden, das im Roots Reggae neue Massstäbe setzt. Seit einigen Tagen ist die EP „Inspiration“ gratis zum Download verfügbar (Download: http://soulrise.analogvibes.net) und sie macht ordentlich Bock auf das im Oktober erscheinende Album.

Wir haben mit Martin Zobel über die Crowdfunding-Kampagne zum Album, die Zusammenarbeit mit der Bass-Legende Fully Fullwood und Roots Reggae gesprochen.


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reggaenews.ch: Auf eurem letzten Album „Land Of The Free“ habt ihr mit Fully Fullwood zusammen gearbeitet. Wie kam es dazu?

Martin Zobel: Im Winter 2011 war ich in Kalifornien – eigentlich um Urlaub zu machen.  Kurz vor dieser Reise war ich noch mit der UK Roots Band Misty in Roots und Tippa Irie auf Tour. Während der Tour erzählte ich dem Manager von Tippa von meinem Vorhaben und daraufhin stellte dieser für mich den Kontakt zu Dale Hauskins her – einem Gitarristen aus Los Angeles.

Dale wiederum stellte mich Fully vor und irgendwie stimmte die Chemie sofort. Ich zeigte Fully einen unserer Songs (Soul Revolution)  und er war so angetan, dass er direkt meinte „I wanna work with you!“. Sechs Monate später saß die gesamte Soulrise Band bei Ihm im Studio.

reggaenews.ch: Wie verlief die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit verlief großartig! Wir alle fühlten uns innerhalb kürzester Zeit wie zu Hause und schon als wir den ersten Song eingespielt hatten und Fully das Band stoppte, sahen wir, wie er zu Tränen gerührt in seinem Regie-Sessel sass und sagte „Wow – you guys just mek mi travel back in time!“.

reggaenews.ch: Was war speziell daran, in Fully Fullwood’s Studio aufzunehmen?

In Bezug auf die Aufnahmen lief es so, dass wir alle in einem Raum standen – abgesehen vom Drummer, der in einer abgetrennten Kabine sass. Wir haben einfach live und analog mitgeschnitten. Manchmal gab es nur einen Take – maximal zwei, und genau das machte in meinen Augen „Land Of The Free“ für die heutigen Verhältnisse etwas Besonderes. Es war einfach eine grandiose Momentaufnahme und Fully hat es geschafft diese Magie aufs Band zu bringen.

reggaenews.ch: Was erwartet uns auf dem nächsten Album? Wird Fully ebenfalls dabei sein?

Das kommende Album „Keep Planting Seeds“ ist für uns etwas sehr Besonderes. Wir haben bereits im letzten Sommer angefangen daran zu arbeiten und es lief auch alles ganz gut, bis im November unerwartet unser Bassist Alexander „Dublex“ Körösy verstarb. Das war für uns alle ein schwerer Schock und eine Zeit lang stand das ganze Projekt auf der Kippe.

Allerdings – und das war mit Sicherheit das, was uns zum Weitermachen angetrieben hat, bekamen wir die Möglichkeit uns von Lex noch zu verabschieden bevor er gestorben ist, und da haben wir ihm versprochen nicht aufzugeben! Als Fully von der ganzen Sache erfuhr, war für ihn sofort klar, dass er für Dublex einspringen würde.

So ist Fully dieses mal nicht nur Produzent der Platte, sondern er spielte auch den Bass. Dass der Mann, der für Dublex eines seiner größten Vorbilder war, der Mann, der ja schon Hit Basslines wie  Bob Marley’s „Sun Is Shining“ oder Peter Tosh’s „Legalize It“ geschrieben hatte, jetzt für dieses Album ein Teil der Soulrise Band wurde, ist schon irgendwie unglaublich!

Natürlich handeln auch einige Songs auf „Keep Planting Seeds“ von Dublex oder sind für ihn geschrieben. Und auch viele der Basslines waren seine Idee. Fully hat diese aufgegriffen und zum Teil neu interpretiert. Die ganzen Recording Sessions waren dieses Mal um einiges emotionaler. Und diese Emotionen spürt man auch beim Anhören – im Prinzip ist das ganze Album auch ein Tribut an Dublex!

Darüber hinaus haben wir noch einen Special Guest auf dem Album. Ein guter Freund von uns und Keyboarder/Organist von Groundation hat uns bei dem einen oder anderen Song mit seiner Hammond Orgel unterstützt und das war schon sehr fett!

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reggaenews.ch: Wie kam es dazu, dass ihr euch dazu entschieden habt, strictly roots zu spielen?

Als wir anfingen, machten wir im Grunde das, was die meisten Reggae Bands heutzutage tun – wir versuchten einen guten Mix zu finden zwischen Roots, Modern Roots und Dancehall mit ein paar Dub Elementen – eben ein bisschen von allem. Wobei es bei uns schon immer sehr roots-lastig war. Aber eigentlich fanden wir erst mit „Land Of The Free“ und natürlich auch mit Hilfe von Fully eine klarere Linie.

reggaenews.ch: Wie siehst du die Zukunft des Roots?

Momentan zeigt sich ja zumindest im Ansatz ein Roots Revival, und ich hoffe, dass es weiter anhält, bzw. noch weiter zunimmt – denn nur wenn junge Bands nachkommen, die die Roots-Flagge hochhalten und das auch leben, wird auch diese Musik weiterleben können.

reggaenews.ch: Inwiefern ist Martin Zobel & Soulrise ein Bandprojekt, inwiefern dein Soloprojekt?

Martin Zobel & Soulrise ist eigentlich gar kein Projekt mehr – es ist eigentlich mehr eine Familie – aber sicherlich eine über die Jahre zusammengewachsene Band!

Ich hab früher als Solo-Künstler angefangen und spiele auch hin und wieder Solo Konzerte, aber eigentlich sehe ich uns jetzt als Band und versuche auch, das noch weiter zu pushen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß mit Soulrise unterwegs zu sein und ehrlich gesagt, ich sehe mich auch eher als Teil der Soulrise Band. Mein Name steht eigentlich nur noch da vorne dran, weil alles Mal als „Martin Zobel“ angefangen hat. Das heißt im Übrigen nicht, dass ich es mir nicht irgendwann mal in Zukunft wieder vorstellen kann auch eine Solo Platte rauszubringen. Aber mein Schwerpunkt wird weiterhin bei der Arbeit als Band bleiben.

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reggaenews.ch: Warum sollte man Martin Zobel & Soulrise live sehen?

Weil wir nicht nur eine Band sind, die vom live spielen lebt – sondern unsere Musik lebt davon live gespielt zu werden. Bei uns haben die Konzerte einen sehr hohen Jam Charakter – wir spielen uns auf der Bühne die Bälle zu und lassen die Musik passieren. Daher ist kein Konzert wie das andere.

Das erlebt man heute gerade im Reggae leider nur noch selten. Meist hat man vorne einen Artist und dahinter eine Backing Band, die die Riddims runterklopft. Mich langweilt diese Entwicklung. Noch schlimmer ist es dann, wenn zum Beispiel auf einem Festival ein und dieselbe Backing Band zehn Bands hintereinander backed – dann wird alles irgendwann zum Einheitsbrei und die Individualität ist dahin.

Wenn Du eine eingespielte Band hast – und da bezieh ich den/die Sänger mit ein, eine Band in der jeder auf jeden reagieren kann und es auch tut – wo man auch als Zuschauer ein Teil dieser lebendigen Dynamik wird – das macht in meinen Augen ein Konzerterlebnis aus!

reggaenews.ch: Was sind eure langfristigen Ziele und Pläne?

Naja, zunächst einmal möchten wir im Oktober unser Album veröffentlichen. Um den Release aber letztendlich zu ermöglichen haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen:

Als Vorgeschmack bieten wir ab sofort die EP „Inspiration“ als Gratis Download an. Dafür bitten wir um eine Spende für unser Crowdfunding-Projekt, mit der wir die Album-Veröffentlichung finanzieren wollen. Wir hoffen einfach, dass sich ein Teil derer, die sich das Album später ohnehin kaufen würden, uns helfen das Album vor zu finanzieren. Dabei bitten wir eigentlich genau genommen nicht um eine Spende, sondern wir haben uns ganz besondere Dinge einfallen lassen, die mit unserer Musik im Zusammenhang stehen, die man aber so nirgends kaufen kann. Angefangen von signierten CDs, LPs, über Backstage Pässe usw. Bis 13. August kann man sich an dem Projekt beteiligen.

Im Moment sind wir noch weit von unserem Ziel entfernt, also holt Euch die EP und wenn sie Euch gefällt bitte supportet unser Crowdfunding und helft uns die Platte rauszubringen!

Darüber hinaus ist unser langfristiges Ziel mehr aus Deutschland rauszukommen – mehr im Rest Europas und natürlich auch in der Schweiz zu spielen!

 Hier geht’s zum Crowdfunding: https://www.indiegogo.com/projects/martin-zobel-soulrise-keep-planting-seeds-lp

Martin Zobel & Soulrise spielen am 10.10. im Treibhaus in Luzern. Für diese Woche sucht die Band übrigens noch Anschlussgigs…

 

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