Interview mit Sebastian Sturm über ‚The Kingston Session‘

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Sturm_Cover-Layout_TKS_01-1-kleinSebastian Sturm & Exile Airline spielten Mitte August im Seebad Enge in Zürich. Vor Ort war auch reggaenews.ch-Reporter Joel und hatte die Möglichkeit, sich mit Sebastian Sturm über das aktuelle Album „The Kingston Session“ und seine Musik sowie das nächste Konzert in der Schweiz (12. Dezember 2015 im Treibhaus, Luzern) zu unterhalten.

 

 

 

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reggaenews.ch: Wie war die Show?
Sebastian Sturm: Super! Die Show war supernice!

reggaenews.ch: Ihr habt ein Acoustic-Konzert gegeben. Was reizt an dieser Instrumentierung?
Sebastian Sturm: Man spielt die Songs anders, etwas cooler und langsamer, hört sich gegenseitig etwas besser und kann viel schöner aufeinander eingehen, kann jammen und das macht schlussendlich einfach Bock.
Alle Songs sind ja auf der Akustik-Gitarre entstanden und eigentlich ist es sowas wie eine Reise zurück zum Ursprung des Sounds.

reggaenews.ch: Das aktuelle Album „The Kingston Session“ wurde zum ersten Mal nicht in Deutschland sondern in Jamaica aufgenommen. Inwiefern hat dieser Umstand die Recording-Sessions beeinflusst?

Sebastian Sturm: Das war immens! Einerseits war’s für uns Deutsche schon auch eine Herausforderung, das Album unter „Beobachtung“ diverser jamaikanischer Musikgrössen aufzunehmen. Neu für uns war auch, dass wir nur zwei Tage Zeit hatten um das Album aufzunehmen und das Ganze so eingespielt haben, wie wir live tönen. So entstand ein gewisser Druck, denn wir mussten quasi alles im „first take“ hinkriegen!
Nach einem halben Tag haben wir uns dran gewöhnt, schlussendlich 15 Stücke aufgenommen und uns für 9 davon entschieden, die’s nun auf’s Album geschafft haben. Wo gehobelt wird, fliegen auch Spähne (lacht).

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reggaenews.ch: „The Kingston Session“ wurde teilweise per Crowdfunding finanziert. Wart ihr überrascht, dass der gewünschte Betrag so schnell zusammengekommen ist?

Sebastian Sturm: Es hat tatsächlich tierisch gut geklappt. Nochmals danke an alle, die uns da unterstützt und die Platte im Vorhinein gekauft haben, quasi uns das Vertrauen geschenkt haben, dass wir das Ding ordentlich durchziehen würden!
Einfach war es aber nicht. Während des Crowdfundings hast du als Band wirklich für nichts anderes Zeit, als dich um diese Kampagne zu kümmern. Anderseits kriegst du direkt was zurück, wenn du siehst: „die Leute wollen unbedingt, dass du weiter Musik machst“ und so. Das gibt einem halt extrem Auftrieb.

reggaenews.ch: Der Sound des Albums hat einen starken Live-Charakter. Wo liegt der Unterschied zu einer gewöhnlichen Live-Konzertaufnahme?

Sebastian Sturm: Eigentlich gar keinen. Wir haben die Songs live so eingespielt, wie wir dies normalerweise auf der Bühne tun. Vielleicht nicht mit denselben Emotionen. Und ein bisschen konzentrierter.

reggaenews.ch: Was hat euch im Vorhinein gereizt an diesem Live-Charakter?

Sebastian Sturm: Der Gedanke war das Ganze so oldschool wie möglich zu halten. Wir wussten von Anfang an, dass die Zeit nicht reichen würde, um ein komplett neues Album zu machen. Daher haben wir uns für die Live-Versions bereits bestehender Tunes entschieden. So kennt man uns, wenn man uns auf der Bühne sieht. Die Songs sind schon sehr weit von unseren Album-Versions entfernt. Und deswegen lohnt es sich, das Album anzuhören.

reggaenews.ch: Sebastian Sturm & Exile Airline, das sind 5 Musiker. Stand jemals zur Diskussion, die Band zum Beispiel durch Bläser zu erweitern?

Sebastian Sturm: Fakt ist: wenn du die Roots Reggae-Schiene konsequent fahren möchtest, dann steht man wie Bob Marley mit 13 Personen auf der Bühne. Aber das kann man sich mit einer Band wie unserer kaum leisten. Momentan funktioniert‘s bei uns noch voll gut. Das Touren macht Spass und ist entspannt, wir sind nicht zu viele, die sich gegenseitig nerven können. Es macht einfach unglaublich Bock! Aber natürlich wünsch ich mir Mal Backingvocals und Brass – ich weiss ja selber nicht, wie sich das anhören würde, wenn man unsere Songs nochmals „dick“ machen würde. Bigger is tough!

reggaenews.ch: Ihr habt einen ziemlich regelmässigen Albums-Output. Wann released ihr das nächste?
Sebastian Sturm: Wir haben uns im Sommer ziemlich kaputt getourt und jetzt geht’s weiter. Wir könnten glaubs Mal einen Urlaub vertragen, wird aber wohl eher nichts mehr dieses Jahr… Und dann müssen wir wieder etwas in Stimmung kommen, Zeit haben uns intensiv mit Neuem zu beschäftigen, denn Eines haben wir in Jamaika gemerkt: die Vibes sind so unglaublich wichtig! Wenn du gut vorbereitet bist und’s Spass macht, ist’s geil. Egal wo du aufnimmst.

reggaenews.ch: Inwiefern unterscheidet sich deine Musik von der anderer, jamaikanischer Künstler aus der Roots-Ära, die du feierst?

Sebastian Sturm: Ich achte mich darauf Klischees zu vermeiden. Thematisch sing ich über dieselben Dinge. Mir ist’s aber wichtig, dass es schlussendlich was Eigenes ist. Die Leute sagen eh schon „das ist der Bob Marley aus Deutschland“ und äusserlich erfüll ich dieses Klischee ja auch. Aber lyrisch und musikalisch muss das nicht sein, dass ich komplett alles kopiere.

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reggaenews.ch: Gibt‘s etwas, das grundlegend anders ist, wenn man in der Schweiz spielt (verglichen mit Deutschland beispielsweise)?

Sebastian Sturm: Ich denk es ist eher so, dass jede Stadt anders feiert. Hauptsache wir kriegen die Leute so weit, dass sie wirklich feiern!

reggaenews.ch: Euer nächster Gig findet in Luzern (Treibhaus) am 12. Dezember 2015 statt. Was erwartest du von dem Konzert?

Sebastian Sturm: Ich hab grundsätzlich 0 Erwartungen, wenn wir irgendwo spielen, wo wir vorher noch nie waren. Meistens ist das besser so. Ich freu mich aber auf jeden Fall, wieder in die Schweiz zu kommen.

reggaenews.ch: In Luzern mit dabei ist auch Martin Zobel mit eine Solo-Acoustic-Set, mit dem ihr ja auch schon in Frankreich unterwegs wart. Gibt’s da ein Featuring oder so?

Sebastian Sturm: Das findest du wohl nur raus, wenn du ans Konzert kommst (lacht)!

reggaenews.ch: Ihr habt als Band schon vieles erreicht: riesige Crowds bespielt, mehrere erfolgreiche Alben rausgebracht, eine grosse Fanbase aufgebaut – was will man da noch mehr?

Sebastian Sturm: Es gibt so viele Orte wo wir noch nie gespielt haben – Asien, Afrika, Südamerika (da ist für nächstes Jahr was in Planung) – einfach rumkommen und Musik machen. Mehr brauch ich gar nicht. Alben aufnehmen, touren und so lange weitermachen, wie’s Spass macht!

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