Interview: Luc von den Scrucialists über 15 Jahre Bandbestehen

Reggae

scurcialists_logo_150 The Scrucialists werden 15 Jahre alt ! Seit 1997 zieht die Basler Reggaeband von Bühne zu Bühne und produziert feinste Riddims im eigenen One Drop Studio. Bevor sie mit Phenomden ausverkaufte Tourneen in der Schweiz spielten, waren die Scrucis bereits mit Lady Saw, Ward 21 oder King Django in ganz Europa von Stockholm bis Madrid unterwegs und rockten mit den HipHopper Tafs die einheimischen Clubs. Die Riddimmaschine The Scrucialists ist nach wie vor massgebend in Sachen Reggae in der Schweiz und immer noch fleissig wie am Tag 1.

Am kommenden Freitag feiern die Scrucialists ihr 15-Jähriges Bestehen und werden im Sommercasino in Basel ein rein-instrumentales Dubset performen. Wir haben den Gitarristen Luc zum den Anfängen, ihre Arbeit als Backing Band und Zusammenarbeit mit Phenomden befragt.

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Wir alle kennen die Scrucialists seit vielen Jahren, feiern zu  euren Konzerten mit Phenomden und Stereo Luchs (oder früher noch Tafs) und haben eure CD „All The Way“ rauf unter runtergehört. Ihr habt die hiesige Szene mitgeprägt, wo und wie aber habt ihr eigentlich gestartet vor 15 Jahren und welche Bands haben euch beeinflusst das Projekt „Scrucialists“ zu starten?

Die Scrucialists sind ein Zusammenschluss aus zwei Bands. Unser damaliger Sänger Richard White hat mit Matthias und Simon in einer Formation gespielt und gleichzeitig mit Eric und mir in einer anderen.  Ziemlich zur gleichen Zeit sind dann bei uns der Bassist und bei den anderen der Drummer ausgestiegen, und so hat Richie vorgeschlagen, die beiden Bands zusammen zu legen.  Unsere erste Bandprobe hat in einem Keller im Gundeli in Basel stattgefunden, das muss Anfangs 1996 gewesen sein. Unser erster gemeinsamer Song war eine Dub/Dancehall-Version vom Golden Eye James Bond Thema.  Geprägt wurden wir zu dieser Zeit einerseits von klassischem Dub sowie der ganzen neuen Dubwelle aus England und Deutschland, Leute wie Rythm and Sound, Dubwar und die ganzen „alten“ Helden wie King Tubby, Lee Perry, Scientist und wie sie alle heissen, andererseits aber klar durch die Blütezeit der New Roots und Dancehall Szene aus Jamaika. Das waren die Goldenen Zeiten von Sizzla’s „Black Woman and Child“, Beenie mit „Many Moods of Moses“, Anthony B „So many Things“ und vorallem Buju’s „‚Til Shiloh“.

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Hattet ihr den authentischen Reggae-Groove sofort gefunden oder brauchte es seine Zeit bis ihr die richtige Technik raushatten? Wo lagen die Herausforderungen?

Als Eric und ich mit der Band angefangen haben, haben wir für uns schon beschlossen, dass Reggae nicht nur gespielte, sondern auch produzierte/aufgenommene Musik ist. Wir haben von Anfang an mit dem Gedanken Musik gemacht, diese auch aufzunehmen in unserem eigenen Studio. Lustigerweise war das bei Matthias und Simon genau gleich. Als wir uns dann also zusammengeschlossen haben, war klar, dass wir nicht nur die Band aufbauen, sondern auch unser eigenens One Drop Studio. Wir alle vier sind Soundfetischisten, bemühen uns also sehr, wenns um die Qualität von Keyboard-, Gitarren-, Drum- und Bass-Sound geht.

Zudem haben wir von Anfang an versucht, jamaikanischen Reggae zu spielen und sind nicht in die World/Afro-Reggae-Ecke abgedriftet. Instrumententechnisch ist ja Reggae nicht sehr schwierig zu spielen, die Herausforderung liegt mehr in der Attitude. Du bist bei einer Dancehallband halt eine Art Sampler, der auch mal 15 Minuten nur 3 Töne spielt. Dass man dies dann so hinbekommt, dass die Leute sich nicht langweilen ist die grosse Kunst.

Während einer Phase wart ihr auch regelmässig als Backing Band mit verschiedenen Künstler unterwegs, heute konzentriert ihr euch voll und ganz auf eure sehr enge Zusammenarbeit mit Phenomden und neuerdings auch Stereo Luchs. War es eine bewusste Entscheidung weg von der typischen Backing Band (wie heute z.b. House Of Riddim oder Dub Akom auf Frankreich), sondern den Fokus aus langfristige Zusammenarbeiten zu setzen?

Ja, ganz klar. Zum einen muss man sehen, dass die Arbeit als Backing Band zwar sehr spannend sein kann, musikalisch ists aber immer (oder meistens) McDonalds Big Mac. Und 10 Jahre Phenomden und Stereo Luchs sind halt dann Bistecca Fiorentina hahahaha!

Wie oben erwähnt geben wir uns bei der Wahl der Synthie Sounds etc sehr viel Mühe, d.h. da gehen locker ein paar Stunden Probezeit drauf, um den richtigen Sound für den richtigen Künstler zu finden. Dieser Aufwand für 3, 4 Konzerte ist enorm. Und richtige Proben sind auch sehr selten möglich. Der Fame-Aspekt nimmt halt mit der Zeit auch ein wenig ab, so dass wir uns entschieden haben, die Backing Band Sache etwas in den Hintergrund zu schieben. Ausserdem haben wir in den letzten paar Jahren mit einem „Keyboarderproblem“ zu kämpfen, haben also mit 3, 4 verschiedenen Leuten zusammengespielt, was mit einem fest einstudierten Programm einfacher ist.

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Und zudem sind sowohl Stereo Luchs wie auch Phenomden einfach genau gleich gut und meistens besser als viele Jamaicaner/Europäer! Es arbeitet sich wirklich ungemein locker und angenehm mit diesen beiden Talents!

Mit Phenomden seit ihr bald 10 Jahre unterwegs, schon für sein Debütalbum habt ihr Riddims beigesteuert und wart zuletzt für die Produktion von „Eiland“ verantwortlich. Wie war dein erster Kontakt mit Mundartreggae und warst du anfangs eher skeptisch oder sofort Feuer und Flamme?

Der erste Kontakt kam über Matthias zustande. Phenomden hat ihn angefragt, was er für einen Bassverstärker spielt. Dennis war ja damals noch Bassist in einer Band. Später dann hat er sich bei mir gemeldet und wir haben den ersten Song aufgenommen, das war „Gfange“, über einen Riddim, den wir für unser King Django meets the Scrucialists Album gemacht hatten. Das war zur Blütezeit von Mundart-HipHop, die Idee, auch Reggae auf Schweizerdeutsch zu machen, war also nicht soooo abwegig.

Ich war sofort Feuer und Flamme, nachdem ich Dennis singen gehört habe. Da war halt von Anfang an Qualität drin, und dann ists mir relativ egal ob er Englisch, Deutsch oder Asarbaidschanisch singt! Seit diesem Tag arbeiten wir sehr eng mit ihm zusammen, und es ist super zu sehen, wie dieses Projekt und die Szene wächst.

Was kann man erwarten am kommenden Freitag von eurem 15 Jahres Jubiläum Gig im Sommercasino in Basel?

Als unser Sänger zurück ging nach Barbados haben wir 2 Dubnights gespielt, sprich Instrumental-Reggae gespickt mit Effekten. Zu unserem 15 Jährigem werden wir dies wieder aufleben lassen! Es gibt also Dub Sounds mit Songs von uns, Classics und neuerem Elektronischem Sound. Und die eine oder andere Überraschung. Dies alles in Originalformation, genau 15 Jahre und 1 Tag nach unserem ersten Konzert im Sommercasino.

Dub Night Vol. 3 mit den Scrucialists
FR 23. August 2013 im Sommercasino in Basel
19.00 – 21.00 Grill im Aussenbereich // Clubdoors 21.00 Uhr
Ticket: Abendkasse 15.- (Vorverkauf 13.-)

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