Interview: Kurzes Reasoning mit Don Corleon

Reggae

Seine Produktionen sind taktangebend in Jamaika und dies mittlerweile schon seit 10 Jahren. Kein anderer Produzent konnte sein Level so konstant halten wie Donovan Bennett alias Don Corleon.

Auf sein Konto gehen (nur ein winzig kleiner Ausschnitt aus seiner Schaffenskraft) der aussergewöhnliche „Mad Antz“, den Partykracher „Jonkanoo“, sowie Roots-Perlen wie „The Message“, „Major and Minor“ oder der himmlische „Drop Leaf“-Riddim und erst diesen Sommer remixte sich das Multitalent selbst auf „Dub in HD“. Auf eine solche Vielschichtigkeit trifft man selten im jamaikanischen Produzenten-Business.

Im Sommer 2011 tourte Don Corleon mit Protoje und Pressure quer durch Europa. Hinter der Bühne des Reggaejam Festivals treffe ich den wie immer mit cornrows-verzierten Don Corleon. Im Mund ein Spliff – auf dem Rücken ein Rucksack, der das Mass seines wohlgenährten Bauches sogar noch übertrifft. Obwohl er bei sich einige Gold-Platten zuhause hängen hat, zickt Don Corleon keine Sekunde rum als ich ihn spontan anquatsche, ob er einige Fragen beantworten würde.

[Reggaenews] Du produzierst Reggae-Riddim, aber auch Dancehall-Tunes, was nur wenige Produzenten machen. Inwiefern unterscheidet sich deine Arbeitsweise?
[Don Corleon] Für mich ist es dasselbe, was aber einen grossen Unterschied macht sind die Künstler. Es gibt Sänger, die kann ich nicht voicen für einen Dancehall-Riddim und umgekehrt. Der Hauptunterschied ist die Auswahl der Artists.

Du spielst ja viele deiner Riddims selbst ein. Welche Instrumente kannst du selbst einspielen und wann greifst du auf Gastmusiker zurück?
Ich spiele Gitarre und Piano, ich programmiere die Drums. Alle meine Bassspuren werden von Danny Bassie von der Firehouse Crew eingespielt und je nach Vibe und in welche Richtung ich gehe, lade ich weitere Studiomusiker ein.

Und wenn du einen Dancehall-Riddim einspielst mit welchem Equipment arbeitest du? Oder ist das ein Geheimnis?
No it’s no secret. Manchmal arbeite ich mit einer MPC-2000 Xl, manche Produktionen entstehen nur mit Logic. Die meisten Dancehall-Riddims produziere ich mit Logic.

Über die Jahre hast du immer wieder mit Gentleman gearbeitet. Was schätzt du an ihm?
Am allermeisten seine Arbeitseinstellung. Er widmet seine ganze Energie der Musik. Wenn er ins Studio kommt ist er immer zu 100% ein Profi. Er ist ein Perfektionist – genau wie ich. Darum funktionieren wir auch so gut zusammen und auch privat ist er ein sehr netter Mensch.


Viele Leute warten seit vielen Jahren auf ein Collabo-Album von dir und….? (Strecke Don Corleon das Mikrofon entgegen?)
(Lacht)…mit wem? Vybz Kartel. (grinst) Vielleicht wird das bald passieren, wer weiss. Wir haben uns ja in der Anfangszeit gegenseitig gepusht. „Sen On“ war sein und mein erster Hit-Tune. Bis heute sind wir wie Brüder. (Das Interview ist entstanden bevor Vybz Kartel wegen zweifachen Mordes von der jamaikanischen Polizei eingebuchtet worden ist)

Du hast einen sehr hohen Output und bist seit bald 10 Jahren einer der Top-Produzenten in Jamaika. Ist es notwendig, jeden Monat einen neuen Riddims zu releasen, um an der Spitze zu bleiben?
Nein, das denke ich nicht. Musik muss wachsen – you can’t rush music. Man muss auch Zeit investieren eine Single oder einen Riddim zu vermarkten. Der Message Riddim zum Beispiel kam am Anfang des Jahres raus und läuft auch ein halbes Jahr immer noch an den Dances.

 

Wie lang geht es eigentlich von der Produktion bis der Riddim draussen ist?
Viele der handgemachten One-Drop-Riddims brauchen schon eine gewisse Zeit zum Einspielen. Dann muss man die Künstler aufnehmen und Background-Harmonys hinzufügen. Auf der anderen Seite gibt es die Dancehall-Riddims. Der „Summer Scheme Riddim“ ist innerhalb von einer Woche entstanden: Von der Produktion über das Voicen der Artists bis zum Releasen.

Seit vielen Jahren arbeitest du sehr erfolgreich mit Pressure zusammen. Pressure kommt ja von den Virgin Islands, du aus Jamaika. Wie seit ihr aufeinander getroffen?
Ein Produzent von Pressure, der auch sein erstes Album gemacht hat, arbeitet in Miami in einem Gitaren-Shop. Als ich dort mal shoppen war, drückte er mir eine CD in die Hand und sagte „Listen to it – don’t throw it away„. Ich hör mir immer alles an und mir gefielen die Songs. This artists wicked, vocally wicked. „Love and Affection“ war dann die erste Zusammenarbeit mit Pressure.

Das Gespräch ist beendet und ich bedanke mich beim Meisterproduzenten. Genau in diesem Moment kommt Pressure um die Ecke mit Protoje im Schlepptau. Die beiden sind bestens gelaunt, kein Wunder es ist auch Pressures 30igster Geburtstag und der muss gefeiert werden. Überraschenderweise wird das neue Lebensjahr nicht mit einem dicken Spliff eingeläutet, sondern einem grossen Schluck Hennessy. Auch Pressure nimmt sich ein paar Minuten Zeit für ein kurzes Gespräch.

[Reggaenews] Gerade vorher habe ich mit Don Corleon gesprochen, der deine ersten internationalen Hits produziert hat. Warst du aufgeregt als du ihn zum ersten Mal getroffen hast? Er war ja bereits zu diesem Zeitpunkt einer der Top-Producer in Jamaika.
[Pressure] Auf jeden Fall. Don Corleon veröffentlichte viele bedeutungsvolle Songs und Riddims wie den „Drop Leaf“ oder „Seasons“ und brachte Reggae, in einer Zeit als Dancehall Überhand hatte und diesen überschattete. Für mich war es also definitiv eine grosse Sache als Don Corleon mit mir arbeiten wollte.

Du kommst ursprünglich von den Virgin Islands. Erzähl doch mal von dieser Insel und der Reggae-Szene.
The Reggae-scene down there is very nice. Es gibt viele Roots-Artists, nicht nur auf den Virigin Islands, aber auch aus St. Croix und St. Thomas. Wir haben Acts wie Niyorah, Dezarie, Midnite und Rock City. Strictly Conscious music coming from these islands.

Kein Dancehall?
Nein, nicht soviel. Es gibt schon einige Artists, die Dancehall machen – aber immer mit Cultural-Lyrics. Wir von den Virgin Islands versuchen immer positive Musik zu machen. Auch wenn es Zeiten gibt, in denen die Kriminalität hoch ist auf der Insel. Stay conscious.

Besten Dank an Don Corleon & Pressure.
Interview aufgenommen im August 2011 am Reggaejam-Festival in Bersenbrück. (www.reggaejam.de)

 


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