Famara: Interview über Afrika-Erfahrungen, Sprachenvielfalt & Zukunft

Reggae

famara_karibu_2014_coverFamara’s neue Platte Karibu ist draussen, die Single „Reggae Made In Switzerland“ rotiert bereits in den Radios und die ersten Shows der Albumtour wurden erfolgreich absolviert.

In der Baseler Kaserne haben wir den bald 50-jährigen Frontmann der Band, eben Famara, an seiner Plattentaufe getroffen und über alles mögliche ausgefragt vom Ursprung seines Namens, seiner Verbundenheit zum afrikanischen Kontinent und zu seinem bunten Stilmix.

Interview: Joel Dittli, Fotos: Demian Hartmann

 

Reggaenews.ch: Seit mehr als 10 Jahren nennt man dich Famara – woher stammt der Name?

Famara: Zu meinen Namen bin ich in Gambia gekommen. Dort war ich in den 90er Jahren regelmässig auf Tour und auf einer dieser Touren wurde mir dann der Name gegeben. „From now on you are Famara“. Famara war ein begabter Trommeler in Gambia, und mir wurde dann dieser Name (quasi „der Begabte“) gegeben. Da mir der Name gut gefiel, verwende ich ihn seither als Künstlernamen. Mit diesem Namen gehen wir nun schon in die 16. Saison!

Reggaenews.ch: Du hast ja eine lange Vergangenheit in Afrika. Tourneen, das Image als Schweizer Reggae Superstar und auch eine gewisse musikalische und kulturelle Identifikation verbinden dich mit dem Kontinent. Wo fühlst du dich am wohlsten?

Famara: Es sind natürlich zwei völlig verschiedene Welten. Die Vibes in Afrika sind ganz klar energetischer. Die Leute reagieren anders, vor allem auch auf Musik. Die Massive „jumpt“ vom ersten Song an, während bei uns in der Schweiz die Leute zuerst mal die Lage checken und dann zu tanzen beginnen. Ich find diesen kulturellen Wechsel immer wieder sehr interessant. Was an beiden Orten gleich ist: Ich bin in erster Linie Reggaesänger und möchte dem Publikum etwas bieten können.

Leider bin ich in Afrika nicht mehr ganz so populär, wie damals. Touren hab ich da zum Beispiel keine mehr. Die Musikszene in Gambia hat sich stark verändert, nachdem die damals grossen Bands sich eher nach Europa orientierten und die Konzerte und Festivals immer seltener wurden. Natürlich bin ich dankbar, all das erlebt zu haben. Es war definitiv eine gute Zeit.

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Reggaenews.ch: Was hältst du von der Schweizer Reggaeszene? Wer ist dein Lieblingsartists?

Famara: Eine Band, die ich sehr mochte waren die Moonraisers. Leider haben die sich inzwischen aufgelöst. Vor allem das Songwriting von Jabba hat mich beeindruckt. Ebenfalls sehr cool find ich Fusion Square Garden, mit denen ich auch schon zusammengearbeitet habe. Ich find’s natürlich super, dass die Szene kontinuierlich wächst und immer wieder neue Artists und Bands auftauchen.

Reggaenews.ch: Die Moonraisers, die du angesprochen hast, haben sich nach etlichen Jahren aus dem Reggaebusiness verabschiedet. Der Grund: Aufwand und Ertrag stimmten nicht mehr überein. Wie ist das bei euch?

Famara: Bei uns ist es ähnlich. Es ist nicht grad einfach im Musikbusiness zu bestehen. Vor allem, wenn man Reggae macht. Bei den Moonraisers war meiner Meinung nach das Problem, dass Jabba irgendwann feststellen musste, dass er kein zweiter Marley werden würde. Obwohl ich wie gesagt den Sound und die Stimme super gut fand. In der Schweiz ist halt ein Werdegang wie der eines Gentleman oder Alborosie einfach nicht möglich, auch wenn das Talent dafür da wäre.
Schlussendlich mach ich das alles aber aus Liebe zum Reggae.

Reggaenews.ch: In den letzten paar Jahren hat sich deine Bühnenperformance stark verbessert. Wie kam es dazu?

Famara: Es freut, mich dass man das merkt. Auch in meinem fortgeschrittenen Alter kann man noch lernen. Professioneller und besser kann man immer werden. Schlussendlich geht es darum, dem Publikum das bestmögliche Endresultat zu bieten.

Reggaenews.ch: Wieviele Sprachen und Dialekte sind auf deinen Releases zu hören? Beherrscht du diese Sprachen überhaupt alle?

Famara: (lacht) Das ist eben Famara! Wenn ich im Studio vor dem Mic stehe, fallen mir Wörter, Sätze und Begriffe ein, die irgendwo in meinem Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Die fliessen dann in die Songs mit ein. Mal ein paar Brocken Spanisch, dann wieder ein französischer Refrain usw.

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Reggaenews.ch: Der Famara-Sound ist ein bunter Mix aus Roots Reggae und afrikanischer wie auch lateinamerikanischer Musik. Woher kommen die Stileinflüsse?

Famara: Ich bin stark von Alpha Blondy beeinflusst. Ausserdem steht in meinem Wohnzimmer eine Holzkiste voller Vinylplatten, welche sich im Verlauf der Jahre kaum verändert hat. Die Musik aus der Kiste, die damals in meinem Kinderzimmer stand, gefüllt mit Platten voller Afro-, Latin- und natürlich Reggaesound, findet sich heute im Famara-Sound wieder.

Reggaenews.ch: Wie hast du’s mit Dancehall?

Famara: Meine Roots sind im 80er Dancehall. Djs wie Yellowman und Charlie Chaplin hör ich heute noch sehr gerne. In meinen Songs sind auch immer wieder Parts zu finden, bei denen ich im ähnlichen Stil ein paar Zeilen „toaste“. Am liebsten hab ich eh von allem ein bisschen was drin in meinem Sound.

Reggaenews.ch: Wie ensteht ein Famara Song? Welche Rolle spielt dabei die Band?

Famara: Ich hab eigentlich schon früh das Meiste im Kopf. Zusammen mit dem Bassisten bringen wir das Ganze dann auf Papier. Da ich kein Melodie-Instrument spiele, pfeif ich jeweils die Melodien vor und er arrangiert dann das Ganze für die Band. Das funktioniert ziemlich gut. Das meiste steht dann schon, bevor der Song überhaupt gespielt wird. Dank dieser Art von Vorbereitung gelingt es uns auch immer wieder, im Rekordtempo Alben aufzunehmen, mit denen wir dann auch zufrieden sein können.

Reggaenews.ch: Was darf man in Zukunft von Famara erwarten?

Famara: Erstmals werden wir ausgiebig touren und dabei dem Publikum unser Album Karibu vorstellen. Zum ersten Mal spielen wir diesen Sommer am Montreux Jazz Festival. Aber auch auf Openairs wie das „Heitere“ freu ich mich sehr.
Ein weiteres Album ist noch nicht geplant, das wird sicherlich noch eine Weile dauern. Mit meinen bald 50 Jahren ist es auch nicht einfach, diesen Rhythmus hochzuhalten. Ich hoff natürlich, dass der Nachwuchs mich da ein bisschen entlasten wird…

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